Bericht über den Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Schulministerin Barbara Sommer in der Hauptschule Löhne-West am 22.08.2008

 

 

 

 Das Rauschen im Blätterwald ist langsam verschwunden. Die Sensation aber gleich noch mal vorweg:

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Schulministerin Barbara Sommer besuchten unsere Schule am 22.08.2008 im Rahmen einer Bildungsreise als einzige Hauptschule in ganz Deutschland. Wir sind stolz auf die durchgehend positive Darstellung der Hauptschule Löhne-West quer durch die Presselandschaft der Bundesrepublik von der Bildzeitung bis zum Haller Kreisblatt. Radiohörer und Fernsehzuschauer konnten in verschiedenen Sendungen das Geschehen landesweit nachvollziehen. Was aber geschah wirklich vor Ort hinter den so sehr gesicherten Türen? Hier deshalb Eindrücke von denen, die hautnah dabei gewesen sind....

Nachdem sich die vielen Sicherungskräfte mit Sprengstoffhunden seit dem frühen Morgen  auf dem Schulgelände aufhalten, gelten die Gebäude und ihre Nutzer schließlich als risikofrei. Nach und nach bevölkern die ersten der ca. 70 akkreditierten Pressevertreter, dazu noch städtische Honoratioren und Ordner, den Eingangsbereich. Seit 11.30 h ist auch Bildungsministerin Barbara Sommer damit beschäftigt, Schüler, Schulleiter und örtliche Repräsentanten herzlich zu begrüßen.  

 

Dann jede Menge flackerndes Blaulicht! Eine Autokolonne bringt die Kanzlerin in ihrer gepanzerten Limousine bis nahe vor den Eingang. Sie geht im Blitzlichtgewitter freundlich auf die heutigen Gastgeber, Konrektor Klaus Harrass als Schulleiter und die Schülervertreter Katja Oks, Kira-Louice Unterbrink, Jasmin Detert und Dennis Matschuck, zu. Gerd Krahe, der ehemalige Schulleiter, und eine städtische Abordnung unter Leitung des Bürgermeisters Kurt Quernheim folgen. Allgemeines Händeschütteln und Smalltalk für die Fotografen, erst mit der Kanzlerin, dann mit Jürgen Rüttgers, dem Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, und Barbara  Sommer, der NRW-Schulministerin, die heute beide zwischendurch auch mal in die zweite Reihe zurück müssen.


Mit einer kleineren Gruppe geht es zuerst in das Foyer der Schule. An der mit vielen Auszeichnungen geschmückten Querwand präsentieren die beiden Mitglieder der Schulleitung organisatorische und konzeptionelle Details.

 


Herr Harrass erläutert:

 

„Frau Hillebrandt, Mitglied der Schulleitung und Steuergruppenvorsitzende, und ich möchten Ihnen unsere Schule und die Schwerpunkte unserer pädagogischen Arbeit vorstellen.

Die Hauptschule Löhne-West wird der Organisationsform nach seit 20 Jahren als Ganztagsschule geführt und ist seit diesem Schuljahr durchgängig zweizügig. 250 Schülerinnen und Schüler werden in 12 Regelklassen der Jahrgänge 5 – 10 von 25 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. Die durchschnittliche Klassenstärke liegt bei 21/22 Schülern. Wir verstehen uns hier im Ortsteil Löhne-Ort als Nachbarschaftsschule, also als eine offene Schule, die vielfältige Kontakte zu den benachbarten Schulen, den kommunalen Einrichtungen, heimischen Betrieben, Kirchen und Vereinen pflegt.

In unserem “Haus des Lernens“ soll Lernen, das sich  unter dem Anspruch „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ vollzieht, ansteckend wirken. Die Räume und Angebote sollen zum Lernen herausfordern und einladen. Hier im Eingangsbereich wird deutlich sichtbar, dass das nachhaltige Bemühen um kontinuierliche Schulentwicklung nach innen im Sinne fortschrittlicher und lebensnaher Unterrichtsarbeit zu bemerkenswerten Erfolgen und Auszeichnungen geführt hat.

Diese Erfolge langjähriger gemeinsamer Arbeit von unseren Schülern, den Eltern, Partnern der Schule und unserem Lehrerkollegium lassen die  4 Leitsätze unseres Schulprogramms bei genauerer Betrachtung sichtbar werden:

 

  • Wir gestalten unsere Schule als Lernort, an dem sich Erwachsene, Kinder und Jugendliche wohl fühlen
  • Wir gehen höflich, offen und vertrauensvoll miteinander um und legen Wert auf Hilfsbereitschaft, Teamgeist und Rücksichtsnahme
  • Wir fordern Leistung und fordern Schüler
  • Wir bereiten unsere Schüler bestmöglich auf den Eintritt ins Berufsleben und den Übergang auf andere Schulen vor

Es folgen Hinweise auf Auszeichnungen mit Schwerpunkten „Ökologie und Nachhaltigkeit“, „Berufswahlorientierung“, „Individuelle Förderung“ und "Schulentwicklung":

 

1989    Mehrere Förderpreise zum Lernen in der Schule

1989    Mehrere Umweltpreise

1998    Auszeichnung als Modellschule im Projekt

           "Schule und Co."

2001    Siegel "Berufswahlfreundliche Schule"

2002   Umweltschule in Europa und 2003 Energieschule NRW

2005   Auszeichnung als drittbeste Hauptschule Deutschlands,

            Verleihung durch den Bundespräsidenten in Berlin

2008   Auszeichnung als Exzellente Schule –als einzige  

            Hauptschule unter den neun besten Schulen in NRW          

            und Auszeichnung für "Individuelle Förderung"

   

Anschließend stellt Frau Hillebrandt das Schulprogramm vor:

 

„Unsere Schule ist ja leider nur Station einer Bildungsreise. Schade. Wir hätten auch Stoff für einen ganzen Bildungsurlaub gehabt. Ich kann Ihnen also in der gebotenen Kürze nur einen kleinen Einblick in unsere Unterrichtsentwicklung verschaffen.

 

Lange bevor die Begriffe Qualitätsverbesserung und Qualitätssicherung in die Schulen Einzug hielten, ging es uns schon eben darum: qualitativ gute Arbeit zu leisten und unsere Schüler fundiert auszubilden. Als dann 1997 das Projekt „Schule und Co“ als Kooperation des Ministeriums und der Bertelsmannstiftung mit dem Ziel „Qualitätsentwicklung“ ins Leben gerufen wurde, haben wir sofort unsere Teilnahme erklärt. Wir waren auch gerne bereit, an einer regionalen Bildungslandschaft mitzuwirken. Da wir schon vorher anerkannt gute pädagogische Arbeit geleistet hatten, wurden wir als einzige Hauptschule Modellschule für die Region.


An unserer Schule wurde eine Steuergruppe gewählt, die seither den Schulentwicklungsprozess steuert, organisiert und vorantreibt. Dazu erhielt die Steuergruppe eine Ausbildung in Sachen Projektmanagement und Unterrichtsentwicklung. Es folgten umfassende Fortbildungsmaßnahmen für das Gesamtkollegium, damit die Schulung in den Schlüsselqualifikationen Methodentraining, Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und eigenverantwortlichem Arbeiten auch wirklich im Unterricht umgesetzt wurde und bei den Schülern ankam. Wir haben einen Implementationsplan entwickelt, wann welcher Baustein der sogenannten Sockeltrainings verbindlich in den einzelnen Jahrgängen durchgeführt werden soll ... und muss, um die einzelnen Kompetenzen systematisch zu schulen.

 Damit allein war es aber nicht getan. Wir veränderten die schulinternen Lehrpläne dahingehend, dass wir Inhalte mit Methoden koppelten, um das in den Sockeltrainings erworbene Basiswissen im täglichen Unterricht stetig zu pflegen, sozusagen vorweggenommene Kernlehrpläne. Die Folge war ein veränderter Unterricht, der den Lehrern, aber vor allem auch den Schülern viel mehr Spaß machte, weil sie sich durch vermehrte Gruppenarbeit, kleine Präsentationen etc. viel aktiver ins Unterrichtsgeschehen einbringen konnten.

Blieb die Frage zu klären, ob diese Form des Unterrichts nicht nur gefühlt erfolgreicher war. Dafür gibt es in der Zwischenzeit durch Evaluationen belegte Beweise.

 

 Ich möchte Ihnen drei Beispiele nennen:


 

  • Es gab 2002  in Zusammenarbeit mit der Uni Bielefeld eine Absolventenbefragung der Schulabgänger mit dem tollen Ergebnis, dass über 80% der ehemaligen Schüler sehr zufrieden waren mit unserer Schule und der Vorbereitung  auf die weiterführenden Schulen. Ein fundiertes Berufswahlkonzept, untermauert durch systematische Unterrichtsentwicklung, erleichtert also nachweislich den Übergang von Schule zu Beruf. Aber davon können Sie sich im Anschluss selbst überzeugen.

  • Zweites Beispiel: Die Ergebnisse unserer Lernstandserhebungen sprechen eine deutliche Sprache. Wir sind besonders stolz auf das gute Abschneiden im Fach Deutsch, denn das ist im Hauptschulbereich sicher nicht selbstverständlich.

  • Als letztes Beispiel sei die Sitzenbleiberproblematik angeführt. Zur Zeit wird hoch aktuell in allen Medien diskutiert, wie man die Sitzenbleiberquote senken kann. Unsere lag im letzten Schuljahr unter einem Prozent.

 

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen kurzen Überblick über den Kern unseres Schulprogramms verschaffen. Für weitere Fragen stehe ich Ihnen im weiteren Verlauf gerne zur Verfügung. Ich wünsche Ihnen interessante Eindrücke und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.“

 


Im Computerraum werden die Gäste anschließend von den Lehrern Wolf Schneider, Heidrun Münz und einer ganz gespannten Schülergruppe begrüßt.

In einem kurzen Eingangsstatement erläutert Wolf Schneider:

 

„Der Informatikbereich mit vier modern ausgestatteten Computerräumen ist ein wichtiges Element unseres Schulprofils. Jedes Kind von Klasse 5 bis Klasse 10 erhält mindestens einmal pro Woche Unterricht am PC. Für die Jahrgangsstufen 7-10 steht dabei das Training der Officeanwendungen (Word, Powerpoint, Excel, Publisher) und das Erlernen wichtiger Arbeitsformen wie das Erstellen von Präsentationen, Bewerbungsunterlagen oder Referaten im Vordergrund. In den Klassen 5 und 6 mit einem Anteil von 3 Wochenstunden liegt der Schwerpunkt auf webbasierten interaktiven Lernprogrammen in den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht das Ziel der möglichst individuellen Förderung eines jeden Kindes im Hinblick auf seine ganz eigenen Stärken und Schwächen. Jeder Schüler und jede Schülerin wird zu Beginn einer Unterrichtssequenz ausführlich getestet und erhält danach einen ganz individuellen Lernplan, dessen Aufgaben durch teilweise  selbst gesteuertes Lernen bearbeitet werden. Zwischendurch können die Kinder die Richtigkeit ihrer Lösungen überprüfen und erhalten auch Rückmeldungen zu ihrem Arbeitsverhaltens und ihren Lernfortschritten. Durch ein so geartetes Lernsetting sollen Leistungsdefizite ausgeglichen und soll die Lernfreude durch den PC-Einsatz gesteigert werden.“

 

Der Bundeskanzlerin imponiert sichtlich der Eifer der Trainingsgruppe. Sie setzt sich spontan zu Patrizia und lässt sich die Handhabung der „eFit-Software“ zeigen. „Ich übe gerade die Erweiterung von Brüchen. Das geht ziemlich leicht.“ „Woher weißt du aber, ob alles richtig ist?“ „Ich klicke auf ‚Prüfen’ und kontrolliere das Resultat. Das ist ganz einfach!“

 


Nebenan beobachten Ministerpräsident Rüttgers und Schulministerin Sommer, wie Therese Leitfragen zu einem Sachtext zum Thema „Raubkatzen“ beantwortet. Sie ist ganz konzentriert bei der Sache und erklärt gekonnt das Übungstableau. „Ich habe vorher den ganzen Text gelesen. Dann stellt der PC Fragen, und ich beantworte sie und schreibe die Antworten in die Tabelle. Danach prüfe ich, ob alles richtig ist.“ Weiter hinten im Raum arbeiten Schülerinnen und Schüler an englischen Wortschatzübungen. Sie sind etwas älter und handhaben die Software sehr routiniert. „Englisch am PC macht mehr Spaß als die Arbeit mit dem Englischbuch“, meint Manuela, „hier muss man nicht schreiben“. „Aber du schreibst doch gerade?“ „Ja, aber mit der Tastatur!!“

 

Die hohen Zuschauer sind sichtlich beeindruckt. Auf sie wartet schon die nächste Besuchsstation. Beim Verlassen des Raumes wendet sich Herr Rüttgers noch einmal halblaut an die betreuenden Lehrer: „Sagen Sie unbedingt Ihren Schülern, dass die ihre Sache ganz prima gemacht haben!“

 


Und gleich nebenan…

 

12 Schüler der 9. und 10. Klassen, 4 Gäste und die Berufswahlkoordinatorin Erika Stadtländer warten gespannt auf den hohen Besuch. Die Tür öffnet sich, Luft holen, aber herein kommen erst mal nur die Vertreter der Presse, die die erste Besuchsstation verlassen mussten und sich jetzt mit der Berufswahlgruppe die Zeit bis zum Eintreffen der Bundeskanzlerin vertreiben.

 

Endlich! Es ist soweit! Die Bundeskanzlerin betritt unter kräftigem Beifall in Begleitung des Ministerpräsidenten und der Schulministerin den Raum. Kira begrüßt die Besucher im Namen der Gruppe „Berufswahlorientierung“. Frau Stadtländer stellt den Gästen die außerschulischen Partner vor, die die Schule bei der Berufswahlvorbereitung immer unterstützen: Frau Vögeding von der Agentur für Arbeit, Herrn Ermshaus von der Volksbank, der regelmäßig das Bewerbungstraining im 9. Schuljahr durchführt, Herrn Lusga als Vertreter der Partnerfirma, der uns mit vielfältigen Projekten hilfreich zur Seite steht, und Michael Kolpak, ein ehemaliger Schüler der Hauptschule Löhne-West, der gerade erfolgreich seine Ausbildung abgeschlossen hat.

 

Anschließend stellt Frau Stadtländer kurz das Berufswahlkonzept der Hauptschule Löhne-West vor, das von den Berufswahlkoordinatoren der Hauptschulen im Kreis Herford entwickelt und mehrfach ausgezeichnet wurde. Die Schüler berichten dann von den einzelnen Bausteinen, die sie vom 8. bis zum 10. Schuljahr durchlaufen haben ( u. a. drei Besuche im Berufsinformationszentrum, Berufsweg- und Lebensplanung für Jungen und Mädchen, Betriebserkundungen, Tagespraktika, Bewerbungstraining, Training von Einstellungstests, projektorientierte Vor- und Nachbereitung des Schülerbetriebspraktikums, Schnuppertag an den Berufskollegs, u.v.m.) und zeigen den Gästen stolz ihre Ergebnisse vom Assessmenttraining, vom Berufsnavigator und vom Berufswahltest. Als Katja stolz vom Girls`Day im Baubildungszentrum erzählt, sagt die Bundeskanzlerin: „Ihr wisst, dass ich aus der ehemaligen DDR komme, auch dort musste ich in der polytechnischen Oberschule Ecken mauern!“

 


Zum Schluss zeigt die Bundeskanzlerin sich sehr interessiert am Berufswegverlauf von Michael Kolpak, der ein Praktikum in der Stadtbücherei gemacht hatte, sich dort dann gegen Bewerber von Realschule und Gymnasium durchgesetzt hatte und einen Ausbildungsvertrag bekam. Nach erfolgreicher Ausbildung erhält er jetzt eine Festanstellung bei der Stadt als Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste/Fachrichtung Bibliothek.

 

Die Bundeskanzlerin, der Ministerpräsident und die Schulministerin sind begeistert, wie sicher und selbstbewusst die Schüler und Schülerinnen das Berufswahlkonzept der Schule vorgestellt haben, und dass sie aufgrund der Ergebnisse aller Bausteine ihren Berufsweg genau vor Augen haben. Kommentar der Schulministerin beim Abschied: „Ihr wart toll, ich bin stolz auf euch!“ Die Gäste verabschieden sich und wünschen allen Beteiligten eine erfolgreiche Berufslaufbahn.

 

Bei schönstem Wetter geht es jetzt nach draußen. Ziel ist der große Schulgarten mit seinen drei Fachwerkhäusern, dem Gewächshaus und dem Backhaus. Herr Harrass stellt ihn als gutes Beispiel für Kontinuität und Nachhaltigkeit vor. Als vor 22 Jahren der Grundstein für den Schulgarten gelegt wurde, war von Anfang an geplant, dass seine langfristige Nutzung viele Schülergenerationen überdauern sollte. Die Planung und besonders die Anlage des Gartengeländes in aufwendiger Handarbeit von Schülern, Eltern und Lehrern – zum großen Teil in Wochenend- und Ferieneinsätzen - schufen eine breite Identifikation mit „unserem“ Schulgarten und seinen Möglichkeiten des naturnahen Anbaus. So ist es geblieben. Immer neue Projekte ermöglichen die Arbeit mit Kopf, Herz und Hand.

 

Hinter dem großen Fachwerkhaus, an dem Projektlehrer Wilfried Wegener und einige ältere Schüler auf Fragen zur Nutzung antworten, sind seit einigen Jahren im zweiten Fachwerkhaus die jüngsten Bewohner der Hauptschule untergebracht: die Friesenhühner. Aktuell werden sie von Schülern aus den fünften Klassen betreut. Vanessa und Mats möchten gern einige Informationen zu Zucht und Pflege loswerden, doch die Gruppe um die Kanzlerin muss weitergehen. Später werden die beiden doch noch zu einer persönlichen Begegnung kommen, wenn sie Angela Merkel auf dem Rückweg vier frisch gelegte Eier überreichen können. Die Beschenkte kündigt an, ihrem Mann am nächsten Morgen ein Rührei zuzubereiten. 

 



Weiter geht es zum Nutzgarten. Hier lernen die Schüler biologische Anbaumethoden von der Aufbereitung des Bodens über die Aussaat und Pflege der Beete bis hin zur Ernte in Theorie und Praxis kennen. Dazu kommt die Anwendung verschiedener Verarbeitungs- und Konservierungsmethoden. Der Schulgarten bietet viele Möglichkeiten, Unterricht anschaulich, praktisch und fächerübergreifend durchzuführen. Viele Schüler entdecken gerade in der praktischen Arbeit in Projekten ihre Stärken. Dass die Ergebnisse der Arbeit im Schulgarten auch noch von kommenden Schülergenerationen genutzt werden können, ist dabei sicher eine zusätzliche Motivation. So wird das Selbstwertgefühl gesteigert. Berufswünsche können sich entwickeln und werden gefestigt. Folgerichtig haben viele Schüler aus den Schulgartengruppen später Berufe als Maurer, Betonbauer, Maler, Zimmerleute, Dachdecker, Gärtner, Landschaftsgärtner, Floristen und Bäcker gelernt.

 

Frau Merkel begrüßt die arbeitenden Schüler und die Projektlehrerin Marianne Heikel, begutachtet sachkundig die Kartoffelernte und verfolgt interessiert die Pflanzarbeiten der Schüler: „In meiner Jugend war es selbstverständlich, dass wir nach der Schule den Bauern bei der Ernte helfen mussten.“

 

Am Backhaus bereiten Sarah und die Zwillinge Jessica und Stefanie gemeinsam mit Herrn Krumme, einem ortsansässigen Bäckermeister, neuen Brotteig vor, als die Bundeskanzlerin hier eintrifft. Sie erfährt, dass die Anlage mit Ofen und großem Sitzplatz für Schüler- und Elternfeste genutzt wird. Solche Backfeste sind Höhepunkte für Gruppen aus dem Hauswirtschaftsunterricht und alle übrigen Beteiligten. Auch Seniorengruppen wurden hier schon freudig bewirtet. Nachdem die Bundeskanzlerin mit den drei Schülerinnen über Hefe- und Sauerteig gefachsimpelt hat, stellt sie sich einigen Fragen der Presse.   

 

Wie später noch einmal in ihrem Abschlussstatement vor ihrer Abfahrt betont sie, wie begeistert sie von der Hauptschule Löhne-West und ihrer hervorragenden Arbeit sei. Man sehe hier viele gute Beispiele, wie es gelingen kann, den Schülern und Schülerinnen die Qualifikationen zu vermitteln, die sie befähigen, die Übergänge des Bildungssystems erfolgreich zu meistern.

Sichtlich zufrieden begibt sich die Besuchergruppe in Richtung Schulhof…

Auf dem Weg vom Schulgarten zum Schulhof unterhalten sich die Mitglieder der kleinen Delegation angeregt über das eben Gesehene. Sobald die Bundeskanzlerin dann den Schulhof betritt, erhält sie tosenden Beifall von den hier wartenden Schülern und Schülerinnen, die sich anfänglich noch klassenweise aufgestellt hatten.

„Ist das wirklich die echte?“ „Ja, das ist Angie!“ „Ich glaub´s nicht!“



Der Applaus begleitet die Bundeskanzlerin noch eine ganze Weile, während sie sich, keine hingestreckte Hand auslassend, langsam in Richtung Schulhofmitte bewegt.


Freundlich beantwortet sie Fragen, ist sogar zu Autogrammen bereit, die sich die Schüler – „stilecht“ wie die Presse am nächsten Tag schreiben wird – auf Hände und Unterarme geben lassen. Sie ist sogar zu einem Gruppenfoto mit einigen Jungen bereit.

 

Gut gelaunt schreibt die Kanzlerin danach in das Goldene Buch der Stadt Löhne:

 „Sie haben eine wirklich gute Schule. Alles Gute für die Zukunft.“

 

Schließlich muss der Ehrengast die zahlreichen neuen „Fans“ auf dem Schulhof zurücklassen. Diese sind durch die Bank glücklich über die aufregende und ganz exklusive Begegnung mit der prominenten Politikerin. Alle sind positiv überrascht, wie freundlich und natürlich sie sich ihnen zugewandt hat: „Die war kein bisschen arrogant! Die ist echt nett! Cool! Echt cool!“

 

Nach den abschließenden Pressestatements vor der Schule verabschiedet sich zuerst Angela Merkel, die mit einiger Verspätung zu ihrem wohlverdienten Mittagessen aufbricht. Ihre Bildungsreise ist für den heutigen Tag vorbei. In Berlin wartet jener übrige Teil der Weltpolitik, den die Kanzlerin für einige Stunden zurück gelassen hatte. 

 


Irgendwann gehen auch die Kameras für Jürgen Rüttgers und Barbara Sommer aus, und die Journalisten machen sich daran, eilig ihre Texte zu verfassen und Bilder und Texte per Internet zu verschicken. Nach einer weiteren halben Stunde ist der schulische Parkplatz nahezu leer. Die Düsseldorfer Polit-Prominenz winkt noch einmal aus dem Fenster, bevor der Hubschrauber sich von der Rasenfläche an der Turnhalle erhebt und davonrauscht. 

 


Geschafft! Wir haben es geschafft! Wir sind geschafft!

Und nun schnell zurück in den Alltag… Die Vorbereitung auf das Schülerbetriebspraktikum beginnt in der nächsten Woche! Der neue Praktikant aus der Uni Bielefeld wird Montag erwartet, die Fachkonferenzen sind schon überfällig, die nächste Lehrerkonferenz muss vorbereitet werden, genauso die anstehende Schulkonferenz und dann die WPU-Listen und, und, und… Und dann hat sich die Regierungspräsidentin, Frau Thomann-Stahl, mit dem Schuldezernenten Christoph Höfer und unserem Schulaufsichtsbeamten Harald Drescher zu einem Besuch kurz vor den Herbstferien angekündigt! Nun denn!

 

Herzlich willkommen, wir sind an hohen (und höchsten) Besuch gewöhnt!!

 

 

(Bilder: Eigene Fotos und mit frdl. Genehmigung  WESTFALENBLATT, NW)




Kurz vor Beginn der Herbstferien erhielten wir einen weiteren ehrenvollen Besuch. Die Regierungspräsidentin aus Detmold, Frau Thomann-Stahl, nahm sich viel Zeit und informierte sich eingehend über unsere Schule.